DNS over HTTPS (DoH) und DNS over TLS (DoT)

DNS over HTTPS (DoH) und DNS over TLS (DoT)

Verschlüsselte DNS-Anfragen für mehr Privatsphäre

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SeeColors IT
03. März 20264 Min. Lesezeit

DoH vs. DoT vs. Standard-DNS

Standard-DNS (UDP Port 53):
Client -> [unverschlüsselt] -> DNS-Server
ISP oder jeder im Netzwerkpfad kann mitlesen. MITM möglich.

DNS over TLS (DoT, Port 853):
Client -> [TLS-Tunnel] -> DNS-Server
Verschlüsselt, aber als DNS-Traffic erkennbar (eigener Port).

DNS over HTTPS (DoH, Port 443):
Client -> [HTTPS, wie normaler Web-Traffic] -> DNS-Server
Verschlüsselt UND nicht von normalem HTTPS-Traffic unterscheidbar.

Der Unterschied zwischen DoT und DoH ist nicht primär die Verschlüsselung — die ist bei beiden TLS-basiert und gleich stark. Der Unterschied liegt in der Sichtbarkeit: DoT auf Port 853 lässt sich von einer Firewall gezielt erlauben oder blockieren, weil der Port eindeutig ist. DoH auf Port 443 sieht für eine Firewall aus wie jeder andere HTTPS-Aufruf — das macht es für Endnutzer schwerer zu blockieren, aber auch für Unternehmens-IT schwerer, DNS-Anfragen zentral zu kontrollieren und zu filtern.

Warum das für Unternehmen relevant ist, nicht nur für Privatsphäre

Wer im Unternehmensnetz DNS-basierte Filterung einsetzt (Malware-Domains blocken, Content-Filter, DNS-Logging für Security-Monitoring), muss DoH bewusst berücksichtigen — Anwendungen, die eigenständig DoH nutzen (manche Browser tun das standardmäßig), umgehen sonst den zentralen DNS-Resolver komplett. Die saubere Lösung ist nicht, DoH zu verbieten, sondern zentral selbst DoT/DoH zum gewünschten Upstream-Resolver zu nutzen und clientseitiges DoH über Gruppenrichtlinien zu deaktivieren.

Empfohlene DoH/DoT Provider

Cloudflare:
  DoH: https://cloudflare-dns.com/dns-query
  DoT: 1dot1dot1dot1.cloudflare-dns.com

Quad9 (Schweizer gemeinnützige Stiftung, DSGVO-freundlich):
  DoH: https://dns.quad9.net/dns-query
  DoT: dns.quad9.net
  Besonderheit: blockiert bekannte Malware-Domains automatisch

NextDNS (individuell konfigurierbar):
  DoH: https://dns.nextdns.io/ACCOUNT_ID
  eigene Blocklisten, Logging, Statistiken

Linux systemd-resolved (DoT)

# /etc/systemd/resolved.conf
cat > /etc/systemd/resolved.conf << 'EOF'
[Resolve]
DNS=9.9.9.9#dns.quad9.net 2620:fe::fe#dns.quad9.net
FallbackDNS=1.1.1.1#cloudflare-dns.com
DNSOverTLS=opportunistic
DNSSEC=yes
EOF

systemctl restart systemd-resolved

resolvectl status
resolvectl query firma.de

# DNS-Traffic prüfen (sollte Port 853 statt 53 zeigen)
ss -tlnp | grep :853

DNSOverTLS=opportunistic versucht DoT und fällt bei Fehlschlag automatisch auf unverschlüsseltes DNS zurück — sicherer, aber mit Fallback-Lücke. DNSOverTLS=yes erzwingt Verschlüsselung strikt, kann aber bei Netzwerken mit blockiertem Port 853 zu kompletten DNS-Ausfällen führen. Für Produktivsysteme ist die strikte Einstellung nur mit vorherigem Test im Zielnetz zu empfehlen.

Pi-hole mit DoH (Cloudflared)

wget https://github.com/cloudflare/cloudflared/releases/latest/download/cloudflared-linux-amd64.deb
dpkg -i cloudflared-linux-amd64.deb

cat > /etc/systemd/system/cloudflared.service << 'EOF'
[Unit]
Description=Cloudflare DoH Proxy

[Service]
ExecStart=/usr/local/bin/cloudflared proxy-dns --port 5053 \
    --upstream https://dns.quad9.net/dns-query
Restart=on-failure

[Install]
WantedBy=multi-user.target
EOF

systemctl enable --now cloudflared

Pi-hole Admin -> Settings -> DNS -> Custom 1: 127.0.0.1#5053. Damit filtert Pi-hole weiterhin wie gewohnt (Werbe-/Tracker-Blocklisten), leitet aber alle nicht-lokal beantworteten Anfragen verschlüsselt an den Upstream weiter.

FAQ

Ist DoH sicherer als DoT?
Beide verschlüsseln den DNS-Traffic gleichwertig. DoH ist schwerer zu blockieren, da es wie normaler HTTPS-Traffic aussieht. DoT ist auf Port 853 leichter von Firewalls gezielt zu identifizieren und zu kontrollieren — was aus Unternehmenssicht auch ein Vorteil sein kann, nicht nur eine Einschränkung.

Kann mein ISP DoH blockieren?
Theoretisch durch Blockieren der DoH-Server-IPs, aber das ist aufwändig, trifft viele legitime Dienste gleichzeitig und ist in Deutschland unüblich.

Fazit

DoH und DoT verschlüsseln DNS-Anfragen und schließen damit eine reale Lücke im sonst unverschlüsselten Standard-DNS. Für Unternehmen ist die zentrale, kontrollierte Nutzung (über systemd-resolved oder Pi-hole+cloudflared) der richtige Weg — nicht das Verbieten, sondern das bewusste Steuern verschlüsselter DNS-Anfragen.

Ich richte verschlüsselte, zentral kontrollierte DNS-Infrastruktur für Unternehmen in Heidelberg, Mannheim und der Rhein-Neckar-Region ein. Jetzt anfragen.

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