Proxmox Firewall konfigurieren – Sicherheitsregeln für VMs und Hosts
Proxmoxguide

Proxmox Firewall konfigurieren – Sicherheitsregeln für VMs und Hosts

Integrierte Proxmox-Firewall für Netzwerksicherheit nutzen

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SeeColors IT
18. April 20254 Min. Lesezeit

Proxmox Firewall Architektur

Die integrierte Proxmox-Firewall basiert auf iptables/nftables und bietet drei Konfigurationsebenen:

  1. Datacenter-Firewall: Globale Regeln, die für alle Nodes und VMs gelten
  2. Node-Firewall: Regeln für den Proxmox-Host selbst (schützt die Verwaltungsschnittstelle)
  3. VM/CT-Firewall: Regeln für einzelne virtuelle Maschinen und Container

Die Regeln werden von oben nach unten abgearbeitet: Datacenter → Node → VM.

Wichtig: Firewall ist standardmäßig DEAKTIVIERT

Die Proxmox-Firewall muss explizit auf allen Ebenen aktiviert werden. Bis zur Aktivierung hat sie keinen Einfluss auf den Netzwerkverkehr.

Datacenter-Firewall einrichten

Firewall aktivieren

  1. Datacenter → Firewall → Options
  2. Firewall: ON

Hier konfigurieren Sie auch:

  • Input Policy: ACCEPT (Standard) oder DROP
  • Output Policy: ACCEPT (empfohlen lassen)
  • Log Level: Für Debug-Zwecke

IPSet erstellen (IP-Gruppen)

IPSets ermöglichen es, mehrere IPs in einer Gruppe zu verwalten:

  1. Datacenter → Firewall → IPSet → Add
  2. Name: z. B. admin-ips
  3. IPs hinzufügen: z. B. 192.168.1.0/24 (lokales Netz), 10.0.0.5 (Admin-PC)

IPSets können in Firewall-Regeln als Quelle oder Ziel verwendet werden.

Sicherheitsgruppen erstellen

Sicherheitsgruppen sind wiederverwendbare Regelsets:

  1. Datacenter → Firewall → Security Groups → Create
  2. Name: z. B. webserver-rules
  3. Regeln hinzufügen:
    • IN: ACCEPT – Port 80 (HTTP)
    • IN: ACCEPT – Port 443 (HTTPS)
    • IN: DROP – alle anderen Ports

Eine Sicherheitsgruppe kann dann mehreren VMs zugewiesen werden.

Node-Firewall (Proxmox-Host absichern)

Der Proxmox-Host selbst muss besonders gut geschützt werden:

  1. Node auswählen → Firewall → Options
  2. Firewall: ON
  3. Input Policy: DROP (alle eingehenden Verbindungen blockieren außer erlaubten)

Grundregeln für den Node

  1. SSH erlauben (von Admin-Netz):

    • Direction: IN
    • Action: ACCEPT
    • Source: +admin-ips (IPSet)
    • Dest. Port: 22
  2. Proxmox-Weboberfläche erlauben (Port 8006):

    • Direction: IN
    • Action: ACCEPT
    • Source: +admin-ips
    • Dest. Port: 8006
  3. ICMP (Ping) erlauben:

    • Direction: IN
    • Action: ACCEPT
    • Protocol: ICMP
  4. Cluster-Kommunikation (falls Cluster vorhanden):

    • Direction: IN
    • Action: ACCEPT
    • Source: +cluster-nodes
    • Dest. Port: 8007,111,2049,60000:60050

Wichtig: Eigene IP NICHT blockieren!

Bevor Sie "Input Policy: DROP" setzen, stellen Sie sicher, dass Ihre Management-IP in den Erlaubt-Regeln steht. Sonst sperren Sie sich selbst aus!

VM-Firewall konfigurieren

VM-Firewall aktivieren

  1. VM auswählen → Firewall → Options
  2. Firewall: ON

Typische Regelsets

Für einen Webserver:

IN: ACCEPT – src: any – port: 80 (HTTP) IN: ACCEPT – src: any – port: 443 (HTTPS) IN: ACCEPT – src: +admin-ips – port: 22 (SSH) IN: DROP – src: any – port: any

Für einen Datenbankserver:

IN: ACCEPT – src: +webserver-ips – port: 3306 (MySQL) IN: ACCEPT – src: +admin-ips – port: 22 IN: DROP – src: any

Für einen Domain Controller:

IN: ACCEPT – src: +internal-net – port: 53 (DNS) IN: ACCEPT – src: +internal-net – port: 389 (LDAP) IN: ACCEPT – src: +internal-net – port: 636 (LDAPS) IN: ACCEPT – src: +internal-net – port: 88 (Kerberos) IN: ACCEPT – src: +admin-ips – port: 3389 (RDP) IN: DROP – src: any

Makros verwenden

Proxmox bietet vordefinierte Makros für gängige Dienste:

  • DNS – Port 53 TCP+UDP
  • HTTP – Port 80 TCP
  • HTTPS – Port 443 TCP
  • SSH – Port 22 TCP
  • SMB – Samba/Windows-Dateifreigabe
  • RDP – Remote Desktop

Statt einzelne Ports einzugeben, wählen Sie das Makro aus.

Firewall-Logs analysieren

Firewall-Regeln mit LOG-Aktion erzeugen Syslog-Einträge:

journalctl -u pve-firewall --since "1 hour ago"
tail -f /var/log/pvefw-logger.log

Für Debug: Regel anlegen mit Action "ACCEPT + LOG" oder "DROP + LOG" um Verbindungsversuche zu sehen.

Fail2Ban für zusätzlichen Schutz

Fail2Ban blockiert IPs die zu viele Fehlversuche haben:

apt install -y fail2ban

Proxmox-spezifische Jail-Konfiguration:

nano /etc/fail2ban/jail.d/proxmox.conf

[proxmox] enabled = true port = https,http,8006 filter = proxmox logpath = /var/log/daemon.log maxretry = 3 bantime = 3600

Filter erstellen:

nano /etc/fail2ban/filter.d/proxmox.conf

[Definition] failregex = pvedaemon[.*authentication failure; rhost=<HOST> user=.* msg=.* ignoreregex =

systemctl restart fail2ban

SSL-Zertifikat für sicheres HTTPS

Ersetzen Sie das selbstsignierte Zertifikat durch ein Let's-Encrypt-Zertifikat:

Voraussetzung: Domain die auf Proxmox-IP zeigt, Port 80 erreichbar.

  1. Node → Certificates → ACME
  2. Account registrieren (E-Mail eingeben)
  3. Domain hinzufügen (Challenge: HTTP oder DNS)
  4. Order Certificate

Zertifikat wird automatisch erneuert.

FAQ

Stoppt die Proxmox-Firewall laufende Verbindungen wenn ich sie aktiviere?
Nein, bestehende Verbindungen werden nicht getrennt. Neue Verbindungen folgen ab sofort den Regeln.

Kann ich iptables direkt auf dem Proxmox-Host bearbeiten?
Technisch ja, aber nicht empfohlen. Proxmox überschreibt manuelle iptables-Regeln beim Neustart. Nutzen Sie die Proxmox-Firewall oder eine eigene Firewall-VM.

Schützt die VM-Firewall auch vor Angriffen aus dem internen Netz?
Ja. Die VM-Firewall filtert auch interne Verbindungen zwischen VMs auf demselben Host.

Fazit

Die integrierte Proxmox-Firewall ist ein mächtiges Werkzeug zur Absicherung Ihrer virtuellen Infrastruktur. Mit IPSets und Sicherheitsgruppen verwalten Sie komplexe Regelwerke übersichtlich.

Ich berate und betreue Unternehmen in Heidelberg, Mannheim, Karlsruhe und der Rhein-Neckar-Region im Bereich Proxmox-Virtualisierung. Beratung anfragen.

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