Virtuelle Maschinen in Proxmox VE
Proxmox VE nutzt KVM (Kernel-based Virtual Machine) für vollständige Hardware-Virtualisierung. Eine VM verhält sich wie ein echter physischer Server – mit eigenem BIOS, eigener Festplatte und eigenem Netzwerkadapter.
Dieser Guide zeigt alle wichtigen Einstellungen beim Erstellen einer neuen VM, erklärt die Unterschiede zwischen Windows- und Linux-VMs und zeigt Optimierungen für beste Performance.
ISO-Image hochladen
Bevor Sie eine VM erstellen, laden Sie das Betriebssystem-ISO hoch:
- Proxmox-Weboberfläche → Node → local → ISO Images
- Klicken Sie Upload → ISO-Datei von Ihrem PC hochladen
- Oder: Download from URL für direkte Downloads von Hersteller-URLs (z. B. Ubuntu Server ISO)
Für Windows: Windows Server oder Windows 10/11 ISO von Microsoft
Für Linux: Ubuntu Server, Debian, Rocky Linux etc.
VirtIO-Treiber-ISO für Windows: Laden Sie zusätzlich virtio-win.iso von fedorapeople.org herunter. Windows kennt VirtIO-Treiber nicht von Haus aus.
VM erstellen – Wizard
Klicken Sie in der Proxmox-Weboberfläche auf Create VM (oben rechts).
Schritt 1: General
- Node: Wählen Sie Ihren Proxmox-Host
- VM ID: Automatisch vergeben (z. B. 100) – änderbar
- Name: Beschreibender Name (z. B.
win2022-dc01oderubuntu-web01)
Verwenden Sie eindeutige, beschreibende Namen: Betriebssystem + Funktion + Nummer.
Schritt 2: OS (Betriebssystem)
- ISO Image: Zuvor hochgeladenes ISO auswählen (local → ISO Images)
- Guest OS Type:
- Microsoft Windows für Windows (wichtig für optimale Defaults!)
- Linux mit Kernel-Version für Linux
- Other für BSDs oder exotische OS
Schritt 3: System (wichtig!)
BIOS:
- SeaBIOS: Standard, kompatibel mit allem – für ältere OS
- OVMF (UEFI): Empfohlen für Windows 11, Windows Server 2022 und moderne Linux
Machine:
- i440fx: Klassisch, sehr kompatibel
- q35: Modernere Chipsatz-Emulation – empfohlen für PCIe-Passthrough und UEFI
SCSI Controller:
- VirtIO SCSI Single: Empfohlen für maximale Performance (Linux)
- VirtIO SCSI: Empfohlen für mehrere Festplatten (Linux)
- LSI 53C895A: Für Windows ohne VirtIO-Treiber (langsamer)
Windows-Tipp: Wenn Sie Windows mit VirtIO-Treibern installieren wollen: wählen Sie VirtIO SCSI und laden Sie später den Treiber aus der virtio-win.iso.
Qemu Agent: Aktivieren Sie QEMU Guest Agent – ermöglicht Proxmox, IP-Adressen, Betriebsstatus und sauberes Shutdown zu erkennen. Treiber muss im Gastbetriebssystem installiert werden.
Schritt 4: Disks (Festplatten)
- Bus/Device:
- VirtIO Block: Beste Performance für Linux
- SCSI (VirtIO SCSI): Empfohlen für Windows mit VirtIO-Treibern
- SATA: Fallback wenn keine VirtIO-Treiber vorhanden (Windows)
- Storage: Wählen Sie Ihren Storage-Pool (z. B. local-lvm)
- Disk Size: Größe in GiB (Windows Server: min. 60 GB, Ubuntu: min. 20 GB)
- Cache:
- Write back: Beste Performance, minimales Datenverlustrisiko bei Stromausfall
- Write through: Sicherer, etwas langsamer
- None: Standard
- Discard: Aktivieren für SSDs (ermöglicht TRIM-Befehle aus der VM)
- SSD Emulation: Aktivieren wenn der physische Storage ein SSD ist
Schritt 5: CPU
- Sockets: Anzahl CPU-Sockel (fast immer 1)
- Cores: Anzahl CPU-Kerne pro Socket
- Type:
- host: VM nutzt exakt die CPU-Features des Hosts – beste Performance, keine Live-Migration zwischen unterschiedlichen CPU-Generationen
- kvm64: Generische x86-64, maximale Kompatibilität und Migrierbarkeit
- max: Alle verfügbaren CPU-Features aktivieren
Faustregeln für Core-Zuweisung:
- Webserver: 2 Cores
- Datenbankserver: 4 Cores
- Domain Controller: 2 Cores
- Windows Server allgemein: 2-4 Cores
Schritt 6: Memory (RAM)
- Memory: RAM in MiB (2048 = 2 GB, 4096 = 4 GB, 8192 = 8 GB)
- Ballooning Device: Aktivieren für dynamische RAM-Zuweisung (Proxmox kann RAM bei Bedarf umverteilen)
Faustregel:
- Ubuntu Server: 1024–2048 MiB
- Windows Server: 4096–8192 MiB
- Datenbankserver: 8192–16384 MiB
Schritt 7: Network
- Bridge: vmbr0 (Standard-Bridge mit Internetzugang)
- Model:
- VirtIO (paravirtualized): Beste Performance für Linux und Windows mit VirtIO-Treibern
- Intel E1000: Kompatibel, kein Treiber nötig (Windows), langsamer
- VLAN Tag: Optional – VM ins entsprechende VLAN einbinden
Schritt 8: Confirm
Übersicht aller Einstellungen. Aktivieren Sie Start after created wenn Sie sofort mit der Installation beginnen möchten.
VM starten und Betriebssystem installieren
- VM in der Seitenleiste auswählen → Start
- Console öffnen (noVNC oder SPICE)
- Das Betriebssystem startet vom ISO
Windows VM: VirtIO-Treiber installieren
Bei Windows erscheint oft "Kein Laufwerk gefunden" wenn VirtIO SCSI verwendet wird:
- Fügen Sie die virtio-win.iso als zweites CD-ROM-Laufwerk hinzu (Hardware → Add → CD/DVD Drive)
- Im Windows-Setup: Treiber laden → virtio-win.iso →
vioscsi\2k22\amd64(oder passende Version) - VirtIO-SCSI-Treiber erscheint → auswählen → Weiter
Nach Windows-Installation: Führen Sie den VirtIO-Installer von der ISO aus um alle Treiber zu installieren (Netzwerk, Grafik, Balloon, QXL).
QEMU Guest Agent installieren
Linux:apt install -y qemu-guest-agent && systemctl enable --now qemu-guest-agent
Windows:
Aus der virtio-win.iso: guest-agent\qemu-ga-x86_64.msi installieren.
Danach in Proxmox: VM → Options → QEMU Guest Agent → Enabled setzen und VM neu starten.
VM nach der Installation optimieren
Snapshot erstellen
Erstellen Sie direkt nach der Betriebssystem-Installation einen Snapshot:
VM → Snapshots → Take Snapshot → Name: "Fresh Install"
Damit können Sie jederzeit auf den sauberen Ausgangszustand zurückspringen.
Backup konfigurieren
Datacenter → Backup → Add: Tägliches Backup um 02:00 Uhr einrichten.
Hardware-Einstellungen optimieren
Für Linux-VMs mit guter Performance:
- CPU-Type: host
- Disk-Cache: write-back mit aktiviertem Discard
- Netzwerk: VirtIO
- QEMU Guest Agent: aktiviert
FAQ
Wie viele VMs kann ich auf einem Proxmox-Host betreiben?
Abhängig von RAM und CPU. Ein Server mit 64 GB RAM und 16 Cores kann problemlos 10-20 Standard-VMs betreiben.
Kann ich eine laufende VM klonen?
Ja: VM → Clone → Wählen Sie "Full Clone" (unabhängige Kopie) oder "Linked Clone" (teilt Festplatten-Basis, spart Speicher).
Was ist der Unterschied zwischen VM und LXC-Container in Proxmox?
VMs emulieren vollständige Hardware (eigener Kernel, BIOS). LXC-Container teilen den Host-Kernel – leichter und schneller, aber nur für Linux-Workloads geeignet.
Fazit
Mit dem Proxmox VM-Wizard erstellen Sie in wenigen Minuten professionelle virtuelle Maschinen. Die Wahl der richtigen Einstellungen (VirtIO, UEFI, Guest Agent) macht den Unterschied zwischen einer trägen und einer hochperformanten VM.
Als Proxmox-Experten in Heidelberg richten wir Proxmox-Infrastrukturen für KMU in Mannheim, Ludwigshafen und der Rhein-Neckar-Region ein. Jetzt Virtualisierungsberatung anfragen.