Proxmox VM Live-Migration – VMs ohne Downtime zwischen Hosts verschieben
Proxmoxguide

Proxmox VM Live-Migration – VMs ohne Downtime zwischen Hosts verschieben

Online-Migration von VMs im Proxmox-Cluster einrichten und durchführen

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SeeColors IT
21. April 20254 Min. Lesezeit

Was ist VM Live-Migration?

Live-Migration (auch Online-Migration) ermöglicht das Verschieben einer laufenden VM von einem Proxmox-Host auf einen anderen, ohne die VM zu stoppen. Für Endbenutzer und Anwendungen ist die Migration transparent – sie bemerken allenfalls eine minimale Latenzspitze von wenigen Millisekunden.

Anwendungsfälle für Live-Migration

  • Wartungsarbeiten: Node-Updates, Hardwaretausch ohne Serviceunterbrechung
  • Lastverteilung: Überlastete Hosts entlasten
  • Energiesparmodus: Hosts nachts konsolidieren, leere Hosts herunterfahren
  • HA-Reaktion: Automatische Migration bei drohendem Node-Ausfall

Online-Migration vs. Offline-Migration

Merkmal Online (Live) Offline
VM-Status Läuft weiter Gestoppt
Downtime ~50-200ms Minuten
Shared Storage Erforderlich Optional
RAM-Transfer Ja (live kopiert) Nein
Risiko Gering Sehr gering

Voraussetzungen für Live-Migration

1. Proxmox-Cluster

Live-Migration setzt einen funktionsfähigen Proxmox-Cluster voraus. Beide Nodes müssen Cluster-Mitglieder sein.

Cluster-Status prüfen:
pvecm status – "Flags: Quorate" = OK

2. Shared Storage

Beide Nodes müssen auf denselben Storage zugreifen können:

Option A: Ceph RBD
Bestes Setup für Proxmox-Cluster – vollständig integriert.

Option B: NFS
NFS-Server der von beiden Nodes gemountet wird.

Option C: iSCSI
iSCSI-Target das von beiden Nodes gemountet wird.

Ohne Shared Storage ist nur eine Offline-Migration mit Storage-Migration möglich (kopiert die Disk-Daten, dauert länger).

3. Kompatible CPU-Typen

Für Online-Migration zwischen Nodes mit unterschiedlichen CPU-Generationen:

  • CPU-Type kvm64 oder x86-64-vN statt host verwenden
  • Oder: CPU-Type host mit Migration-Flags: --force (riskant)

Empfehlung: Für Cluster-VMs immer CPU-Type kvm64 oder max statt host verwenden.

4. Netzwerk-Konfiguration identisch

Bridge-Namen (vmbr0, vmbr1) müssen auf allen Nodes identisch sein. VLANs müssen auf allen Nodes verfügbar sein.

Live-Migration durchführen

Über die Weboberfläche

  1. VM auswählen → Migrate
  2. Target Node: Ziel-Host auswählen
  3. Mode: Online (ohne Downtime)
  4. Migration-Details:
    • With local disks: Wenn VM auf lokalem Storage liegt, werden Disks kopiert (dauert länger)
  5. Migrate

Fortschritt: Tasks-Log zeigt Migration-Status und Fortschritt.

Über die Kommandozeile

qm migrate 101 pve02 --online

Mit Storage-Migration (lokale Disk auf Ziel-Storage kopieren):
qm migrate 101 pve02 --online --targetstorage local-lvm

Mehrere VMs nacheinander migrieren (Shell-Script):
for VMID in 101 102 103 104; do qm migrate $VMID pve02 --online sleep 30 done

LXC-Container migrieren

Container können ebenfalls live migriert werden:

pct migrate 201 pve02 --online

Storage-Migration (ohne Shared Storage)

Wenn kein Shared Storage vorhanden ist, können VMs offline migriert werden – dabei werden die Festplatten-Images kopiert:

qm migrate 101 pve02 --targetstorage local-lvm

Dies ist eine Offline-Migration – die VM wird gestoppt, Disk kopiert, dann auf dem Ziel-Node gestartet. Downtime entspricht der Kopierzeit (typisch: 1-20 Minuten je nach Disk-Größe und Netzwerkgeschwindigkeit).

Performance der Migration optimieren

Migrations-Bandbreite erhöhen

Standardmäßig nutzt Proxmox die Management-NIC für Migrationen. Für schnellere Migration konfigurieren Sie ein dediziertes Migrationsnetzwerk:

Node → System → Netzwerk: Dedizierte Bridge für Migration erstellen (z. B. vmbr2 mit 10GbE)

In der Cluster-Konfiguration:

pvecm add 10.20.0.1 --link0 10.10.10.2 --link1 10.20.0.2

(link0 = Cluster-Netz, link1 = Migrations-Netz)

RAM-Kompression für Migration

qm set 101 --migratedfrom source

Für RAM-intensive VMs: Kompression reduziert Übertragungsvolumen.

Automatische Live-Migration (HA)

Mit Hochverfügbarkeit (HA) konfiguriert, migriert Proxmox VMs automatisch bei Node-Problemen:

  1. Datacenter → HA → Add
  2. VM auswählen, State: started
  3. Proxmox überwacht Node-Verfügbarkeit und löst automatisch Migration aus

Migration überwachen und Fehler beheben

Migrations-Log anzeigen

journalctl -u pve-ha-lrm | tail -50
tail -f /var/log/pve/tasks/active

Häufige Migrationsfehler

"migration aborted: can't live migrate VM with local disk":
VM hat lokale Disk ohne Shared Storage. Lösung: --with-local-disks Flag oder zu Shared Storage migrieren.

"no common nodes available":
Netzwerkkonfiguration inkompatibel. Bridge-Namen auf beiden Nodes prüfen.

"cpu flags don't match":
CPU-Type ist zu hostspezifisch. CPU-Type auf kvm64 ändern.

Migration bleibt bei 99% hängen:
VM schreibt sehr schnell (write-intensive). Proxmox kann mit dem RAM-Transfer nicht mithalten. VM kurz anhalten: qm suspend 101 → Migration abschließen → qm resume 101

FAQ

Wie lange dauert eine Live-Migration?
Bei 4 GB RAM und Shared Storage: 5-60 Sekunden. Bei 64 GB RAM oder langsamem Netzwerk: mehrere Minuten.

Kann ich Windows-VMs live migrieren?
Ja, Windows-VMs funktionieren genauso wie Linux-VMs. Empfehlung: QEMU Guest Agent installiert für sauberes Suspend.

Was passiert bei einem Netzwerkabbruch während der Migration?
Die VM läuft auf dem Quell-Node weiter. Die Migration wird abgebrochen. Keine Datenverluste.

Fazit

Live-Migration ist eines der mächtigsten Features von Proxmox VE und ermöglicht wartungsfreie Infrastrukturen. Mit Shared Storage und einem gut konfigurierten Cluster migrieren Sie VMs vollständig transparent.

SeeColors IT plant und implementiert Proxmox-Virtualisierung für KMU in Heidelberg und der Rhein-Neckar-Region. Anfragen.

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