Proxmoxguide

Proxmox VM Live-Migration – VMs ohne Downtime zwischen Hosts verschieben

Online-Migration von VMs im Proxmox-Cluster einrichten und durchführen

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SeeColors IT
11. Juni 20264 Min. Lesezeit149 Aufrufe

Was ist VM Live-Migration?

Live-Migration (auch Online-Migration) ermöglicht das Verschieben einer laufenden VM von einem Proxmox-Host auf einen anderen, ohne die VM zu stoppen. Für Endbenutzer und Anwendungen ist die Migration transparent – sie bemerken allenfalls eine minimale Latenzspitze von wenigen Millisekunden.

Anwendungsfälle für Live-Migration

  • Wartungsarbeiten: Node-Updates, Hardwaretausch ohne Serviceunterbrechung
  • Lastverteilung: Überlastete Hosts entlasten
  • Energiesparmodus: Hosts nachts konsolidieren, leere Hosts herunterfahren
  • HA-Reaktion: Automatische Migration bei drohendem Node-Ausfall

Online-Migration vs. Offline-Migration

Merkmal Online (Live) Offline
VM-Status Läuft weiter Gestoppt
Downtime ~50-200ms Minuten
Shared Storage Erforderlich Optional
RAM-Transfer Ja (live kopiert) Nein
Risiko Gering Sehr gering

Voraussetzungen für Live-Migration

1. Proxmox-Cluster

Live-Migration setzt einen funktionsfähigen Proxmox-Cluster voraus. Beide Nodes müssen Cluster-Mitglieder sein.

Cluster-Status prüfen:
pvecm status – "Flags: Quorate" = OK

2. Shared Storage

Beide Nodes müssen auf denselben Storage zugreifen können:

Option A: Ceph RBD
Bestes Setup für Proxmox-Cluster – vollständig integriert.

Option B: NFS
NFS-Server der von beiden Nodes gemountet wird.

Option C: iSCSI
iSCSI-Target das von beiden Nodes gemountet wird.

Ohne Shared Storage ist nur eine Offline-Migration mit Storage-Migration möglich (kopiert die Disk-Daten, dauert länger).

3. Kompatible CPU-Typen

Für Online-Migration zwischen Nodes mit unterschiedlichen CPU-Generationen:

  • CPU-Type kvm64 oder x86-64-vN statt host verwenden
  • Oder: CPU-Type host mit Migration-Flags: --force (riskant)

Empfehlung: Für Cluster-VMs immer CPU-Type kvm64 oder max statt host verwenden.

4. Netzwerk-Konfiguration identisch

Bridge-Namen (vmbr0, vmbr1) müssen auf allen Nodes identisch sein. VLANs müssen auf allen Nodes verfügbar sein.

Live-Migration durchführen

Über die Weboberfläche

  1. VM auswählen → Migrate
  2. Target Node: Ziel-Host auswählen
  3. Mode: Online (ohne Downtime)
  4. Migration-Details:
    • With local disks: Wenn VM auf lokalem Storage liegt, werden Disks kopiert (dauert länger)
  5. Migrate

Fortschritt: Tasks-Log zeigt Migration-Status und Fortschritt.

Über die Kommandozeile

qm migrate 101 pve02 --online

Mit Storage-Migration (lokale Disk auf Ziel-Storage kopieren):
qm migrate 101 pve02 --online --targetstorage local-lvm

Mehrere VMs nacheinander migrieren (Shell-Script):
for VMID in 101 102 103 104; do qm migrate $VMID pve02 --online sleep 30 done

LXC-Container migrieren

Container können ebenfalls live migriert werden:

pct migrate 201 pve02 --online

Storage-Migration (ohne Shared Storage)

Wenn kein Shared Storage vorhanden ist, können VMs offline migriert werden – dabei werden die Festplatten-Images kopiert:

qm migrate 101 pve02 --targetstorage local-lvm

Dies ist eine Offline-Migration – die VM wird gestoppt, Disk kopiert, dann auf dem Ziel-Node gestartet. Downtime entspricht der Kopierzeit (typisch: 1-20 Minuten je nach Disk-Größe und Netzwerkgeschwindigkeit).

Performance der Migration optimieren

Migrations-Bandbreite erhöhen

Standardmäßig nutzt Proxmox die Management-NIC für Migrationen. Für schnellere Migration konfigurieren Sie ein dediziertes Migrationsnetzwerk:

Node → System → Netzwerk: Dedizierte Bridge für Migration erstellen (z. B. vmbr2 mit 10GbE)

In der Cluster-Konfiguration:

pvecm add 10.20.0.1 --link0 10.10.10.2 --link1 10.20.0.2

(link0 = Cluster-Netz, link1 = Migrations-Netz)

RAM-Kompression für Migration

qm set 101 --migratedfrom source

Für RAM-intensive VMs: Kompression reduziert Übertragungsvolumen.

Automatische Live-Migration (HA)

Mit Hochverfügbarkeit (HA) konfiguriert, migriert Proxmox VMs automatisch bei Node-Problemen:

  1. Datacenter → HA → Add
  2. VM auswählen, State: started
  3. Proxmox überwacht Node-Verfügbarkeit und löst automatisch Migration aus

Migration überwachen und Fehler beheben

Migrations-Log anzeigen

journalctl -u pve-ha-lrm | tail -50
tail -f /var/log/pve/tasks/active

Häufige Migrationsfehler

"migration aborted: can't live migrate VM with local disk":
VM hat lokale Disk ohne Shared Storage. Lösung: --with-local-disks Flag oder zu Shared Storage migrieren.

"no common nodes available":
Netzwerkkonfiguration inkompatibel. Bridge-Namen auf beiden Nodes prüfen.

"cpu flags don't match":
CPU-Type ist zu hostspezifisch. CPU-Type auf kvm64 ändern.

Migration bleibt bei 99% hängen:
VM schreibt sehr schnell (write-intensive). Proxmox kann mit dem RAM-Transfer nicht mithalten. VM kurz anhalten: qm suspend 101 → Migration abschließen → qm resume 101

FAQ

Wie lange dauert eine Live-Migration?
Bei 4 GB RAM und Shared Storage: 5-60 Sekunden. Bei 64 GB RAM oder langsamem Netzwerk: mehrere Minuten.

Kann ich Windows-VMs live migrieren?
Ja, Windows-VMs funktionieren genauso wie Linux-VMs. Empfehlung: QEMU Guest Agent installiert für sauberes Suspend.

Was passiert bei einem Netzwerkabbruch während der Migration?
Die VM läuft auf dem Quell-Node weiter. Die Migration wird abgebrochen. Keine Datenverluste.

Fazit

Live-Migration ist eines der mächtigsten Features von Proxmox VE und ermöglicht wartungsfreie Infrastrukturen. Mit Shared Storage und einem gut konfigurierten Cluster migrieren Sie VMs vollständig transparent.

Als Proxmox-Cluster-Spezialisten in Heidelberg implementieren wir Live-Migration und Hochverfügbarkeit für Unternehmen in Mannheim, Ludwigshafen und der Rhein-Neckar-Region. Jetzt Cluster-Beratung anfragen.

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