Was ist ein Site-to-Site VPN?
Ein Site-to-Site VPN verbindet zwei Netzwerke über das Internet miteinander. Im Unterschied zum Remote-Access-VPN (Einzelbenutzer) verbindet Site-to-Site ganze Netzwerksegmente.
Typische Anwendung: Hauptsitz in Heidelberg und Zweigstelle in Frankfurt sollen direkt miteinander kommunizieren können, als wären sie im selben Netzwerk.
IPsec vs. RED (Sophos Remote Ethernet Device)
Sophos bietet zwei Site-to-Site-Technologien:
| Merkmal | IPsec | Sophos RED |
|---|---|---|
| Standard | Ja (interoperabel) | Propriätär (Sophos-zu-Sophos) |
| Gegenstelle | Jede IPsec-Firewall | Nur Sophos |
| Konfigurationsaufwand | Mittel | Gering |
| Performance | Gut | Sehr gut |
| Empfohlen | Drittanbieter-Interop | Reine Sophos-Umgebung |
Voraussetzungen
- Beide Standorte: Sophos XGS oder Sophos UTM (oder kompatible IPsec-Firewall)
- Statische öffentliche IPs an beiden Standorten (oder DynDNS)
- Nicht-überlappende interne Netzwerke:
- Standort A:
192.168.1.0/24 - Standort B:
192.168.2.0/24
- Standort A:
IPsec Site-to-Site VPN konfigurieren
Auf Sophos Firewall A (Hauptstandort, z. B. Heidelberg)
Schritt 1: VPN-Verbindung erstellen
VPN → IPsec-Verbindungen → Hinzufügen:
Allgemein:
- Name:
VPN_HD_zu_FR - IP-Version: IPv4
- Verbindungstyp: Standort-zu-Standort
- Gateway-Typ: Initiator und Responder
Authentifizierung:
- Authentifizierungsmethode: Pre-shared Key
- Gemeinsamer Schlüssel: Starkes zufälliges Passwort (min. 24 Zeichen!)
Schritt 2: Gateway-Einstellungen (Phase 1)
Lokales Gateway:
- Schnittstelle: WAN-Interface
- Lokale ID: Ihre öffentliche IP oder Hostname
Remote-Gateway:
- Gateway-Adresse: Öffentliche IP von Standort B
- Remote-ID: Remote IP oder Hostname
Phase-1-Parameter (IKEv2 empfohlen):
- Key Exchange: IKEv2
- Verschlüsselung: AES256
- Authentication: SHA256
- DH-Gruppe: 14 (2048-bit)
- SA-Laufzeit: 28800 Sekunden (8 Stunden)
Schritt 3: Tunnel-Netzwerke (Phase 2)
Lokales Netzwerk: 192.168.1.0/24 (Heidelberg-Netz)
Remote-Netzwerk: 192.168.2.0/24 (Frankfurt-Netz)
Phase-2-Parameter:
- Verschlüsselung: AES256
- Authentication: SHA256
- PFS (Perfect Forward Secrecy): Gruppe 14
- SA-Laufzeit: 3600 Sekunden (1 Stunde)
Dead Peer Detection (DPD) aktivieren: Timeout 30s, Intervall 10s
Auf Sophos Firewall B (Zweigstelle, Frankfurt)
Identische Konfiguration, aber:
- Lokales Netzwerk:
192.168.2.0/24 - Remote-Netzwerk:
192.168.1.0/24 - Gateway-Adresse: IP von Firewall A
Den gleichen Pre-shared Key verwenden!
Firewall-Regeln für VPN-Traffic
Sophos blockiert standardmäßig auch VPN-Traffic. Fügen Sie Regeln hinzu:
Regel: Heidelberg kann Frankfurt erreichen
- Quellenzone: LAN (Heidelberg)
- Zielzone: VPN (Frankfurt-Tunnel)
- Quellnetz: 192.168.1.0/24
- Zielnetz: 192.168.2.0/24
- Dienste: Any (oder spezifische Ports)
- Aktion: Erlauben
Regel: Frankfurt kann Heidelberg erreichen
- Quellenzone: VPN
- Zielzone: LAN
- Quellnetz: 192.168.2.0/24
- Zielnetz: 192.168.1.0/24
- Aktion: Erlauben
Tunnel-Status prüfen
VPN → IPsec-Verbindungen → Status:
Grüne LED = Tunnel aktiv und verbunden
Rote LED = Tunnel getrennt (Konfigurationsfehler oder Gegenstelle nicht erreichbar)
Logs:
Protokoll → VPN: Zeigt IKE-Verhandlungen und eventuelle Fehler
Test: Ping über VPN:
Auf Firewall A Shell: ping 192.168.2.1 (Gateway von Standort B)
Häufige Konfigurationsfehler
Phase-1-Fehler (IKE_SA Aufbau schlägt fehl):
- Pre-shared Key auf beiden Seiten prüfen (Tipp- und Groß-/Kleinschreibungsfehler)
- Phase-1-Parameter (Verschlüsselung, Hashing, DH-Gruppe) müssen exakt übereinstimmen
- IKE-Version (IKEv1 vs IKEv2) muss auf beiden Seiten gleich sein
Phase-2-Fehler (Tunnel bleibt rot nach Phase-1-Erfolg):
- Tunnel-Netzwerke auf beiden Seiten prüfen (Quell/Ziel müssen gespiegelt sein)
- Phase-2-Verschlüsselung und -Hashing prüfen
- Overlapping Subnets: Beide LANs dürfen nicht im gleichen Bereich sein
Ping geht nicht obwohl Tunnel grün:
- Firewall-Regeln fehlen
- Routing-Tabelle prüfen: Kennt Sophos den Weg zum Remote-Netz?
VPN-Routing und Split-Tunneling
Wenn Geräte in Frankfurt nicht nur Heidelberg, sondern auch das Internet über den Tunnel routen sollen:
In der Phase-2-Konfiguration bei Standort B:
- Remote-Netzwerk zusätzlich:
0.0.0.0/0
Dann läuft aller Traffic über den VPN-Tunnel zu Standort A und wird dort ins Internet geleitet.
FAQ
Kann ich ein Sophos-zu-Cisco-Site-to-Site-VPN aufbauen?
Ja. Nutzen Sie IKEv2 mit AES256/SHA256 und stimmen Sie die Parameter exakt ab. Cisco nutzt andere Default-Werte – vergleichen Sie Phase 1 und 2 sorgfältig.
Was ist der Unterschied zwischen IKEv1 und IKEv2?
IKEv2 ist moderner: schnellerer Aufbau, bessere NAT-Traversal, Mobilitätsunterstützung. Verwenden Sie immer IKEv2 für neue VPN-Verbindungen.
Wie sichere ich den Pre-shared Key?
Mindestens 32 zufällige Zeichen. Bewahren Sie ihn im Passwort-Manager auf und teilen Sie ihn nur über sichere Kanäle (verschlüsselte E-Mail oder telefonisch).
Fazit
Ein korrekt konfiguriertes Site-to-Site VPN verbindet Standorte sicher und transparent. Mit IKEv2 und starken Verschlüsselungsalgorithmen erfüllen Sie aktuelle BSI-Empfehlungen.
Als Sophos-Partner in Heidelberg konfigurieren wir Site-to-Site VPNs für Unternehmen mit mehreren Standorten in Mannheim, Ludwigshafen und der Rhein-Neckar-Region. Jetzt VPN-Planung anfragen.