Windows Server 2022 Storage Spaces einrichten – Anleitung 2025

Software-RAID und Storage-Pooling ohne teure Hardware-RAID-Karten

S
SeeColors IT
11. Juni 20265 Min. Lesezeit175 Aufrufe

Was sind Windows Server Storage Spaces?

Storage Spaces ist Microsofts Software-Defined-Storage-Lösung in Windows Server. Mehrere physische Festplatten werden in einem Storage Pool zusammengefasst, aus dem dann virtuelle Festplatten mit RAID-ähnlichen Resilienzfunktionen erstellt werden.

Vorteile gegenüber Hardware-RAID

Merkmal Hardware-RAID Storage Spaces
Kosten RAID-Karte (100–1000 €) Im OS enthalten
Flexibilität Controller-abhängig Festplatten frei hinzufügen
Migrierbarkeit Controller-gebunden Portabel (Pool-Metadaten auf Disks)
Verwaltung BIOS-Tool Server Manager / PowerShell
Tiered Storage Selten Ja (SSD + HDD kombinieren)

Resilienztypen

Typ Mindest-Disks Ausfallsicherheit Platz-Effizienz
Simple (JBOD) 1 Keine 100%
Mirror (2-Wege) 2 1 Disk 50%
Mirror (3-Wege) 5 2 Disks 33%
Parity 3 1 Disk ~67%
Dual Parity 7 2 Disks ~50%

Voraussetzungen

  • Windows Server 2019 oder 2022 (Standard oder Datacenter)
  • Mindestens 2 identisch große Festplatten für Mirror
  • Empfohlen: Neue, unformatierte Festplatten (Storage Spaces entfernt vorhandene Daten)

Storage Pool über Server Manager einrichten

Schritt 1: Server Manager → File and Storage Services

Server Manager → File and Storage Services → Storage Pools → New Storage Pool

  1. Name: Pool-01
  2. Subsystem: Windows Storage (lokale Festplatten)
  3. Physische Festplatten auswählen: Alle unbelegten Festplatten ankreuzen

Hinweis: Nur Festplatten die nicht der Windows-Partition zugehören erscheinen hier. System-Festplatten sind geschützt.

Schritt 2: Virtual Disk (= RAID-Volume) erstellen

Nach dem Pool: Rechtsklick auf Pool → New Virtual Disk

  1. Name: Daten-Mirror
  2. Storage layout: Mirror (für 2 Festplatten: Two-way mirror)
  3. Provisioning: Fixed (empfohlen für Produktionsserver)
  4. Size: Maximale Größe oder gewünschte Größe

Maximale nutzbare Größe bei Mirror (2 Disks mit je 2 TB): ~2 TB nutzbar (Hälfte)

Schritt 3: Volume formatieren

Nach dem Virtual Disk wird automatisch der New Volume Wizard gestartet:

  • Drive letter: Z: (oder ein Buchstabe Ihrer Wahl)
  • File system: NTFS (empfohlen) oder ReFS
  • Allocation unit size: Standard (4096 Byte) – für Datenbanken ggf. 64 KB
  • Volume label: Daten

Storage Spaces per PowerShell

PowerShell-Methode für die genaue Kontrolle und Automatisierung:

# Verfügbare physische Festplatten anzeigen
Get-PhysicalDisk | Where-Object CanPool -eq $true

# Storage Pool erstellen
$disks = Get-PhysicalDisk | Where-Object CanPool -eq $true
New-StoragePool -FriendlyName "Pool-01" `
    -StorageSubSystemFriendlyName "Windows Storage*" `
    -PhysicalDisks $disks

# Virtual Disk (Mirror) erstellen
New-VirtualDisk -StoragePoolFriendlyName "Pool-01" `
    -FriendlyName "Daten-Mirror" `
    -ResiliencySettingName Mirror `
    -UseMaximumSize `
    -ProvisioningType Fixed

# Volume erstellen und formatieren
$disk = Get-VirtualDisk -FriendlyName "Daten-Mirror" | Get-Disk
Initialize-Disk -UniqueId $disk.UniqueId -PartitionStyle GPT
New-Partition -DiskNumber $disk.Number -UseMaximumSize -DriveLetter Z
Format-Volume -DriveLetter Z -FileSystem NTFS -NewFileSystemLabel "Daten" -Confirm:$false

Tiered Storage (SSD + HDD kombinieren)

Storage Spaces kann SSDs als schnellen Cache und HDDs als günstigen Massensspeicher kombinieren:

# SSDs und HDDs separat identifizieren
$SSDs = Get-PhysicalDisk | Where-Object {$_.MediaType -eq "SSD" -and $_.CanPool -eq $true}
$HDDs = Get-PhysicalDisk | Where-Object {$_.MediaType -eq "HDD" -and $_.CanPool -eq $true}

# Pool mit gemischten Disks
New-StoragePool -FriendlyName "Tiered-Pool" `
    -StorageSubSystemFriendlyName "Windows Storage*" `
    -PhysicalDisks ($SSDs + $HDDs)

# Storage-Tiers erstellen
New-StorageTier -StoragePoolFriendlyName "Tiered-Pool" `
    -FriendlyName "SSD-Tier" `
    -MediaType SSD `
    -ResiliencySettingName Mirror

New-StorageTier -StoragePoolFriendlyName "Tiered-Pool" `
    -FriendlyName "HDD-Tier" `
    -MediaType HDD `
    -ResiliencySettingName Mirror

# Tiered Virtual Disk erstellen
New-VirtualDisk -StoragePoolFriendlyName "Tiered-Pool" `
    -FriendlyName "Tiered-Volume" `
    -StorageTiers (Get-StorageTier -FriendlyName "SSD-Tier"), `
                  (Get-StorageTier -FriendlyName "HDD-Tier") `
    -StorageTierSizes 100GB, 2TB

Häufig genutzte Daten wandern automatisch auf die SSD-Tier (Storage-Optimizer-Dienst).

Festplatte zum Pool hinzufügen (Erweiterung)

# Neue Festplatte identifizieren
$newDisk = Get-PhysicalDisk -CanPool $true | Select-Object -Last 1

# Zum Pool hinzufügen
Add-PhysicalDisk -StoragePoolFriendlyName "Pool-01" -PhysicalDisks $newDisk

# Virtual Disk auf maximale Größe erweitern (wenn gewünscht)
Resize-VirtualDisk -FriendlyName "Daten-Mirror" -Size (Get-VirtualDisk -FriendlyName "Daten-Mirror").Size + 500GB
# Danach Volume erweitern:
Resize-Partition -DriveLetter Z -Size (Get-PartitionSupportedSize -DriveLetter Z).SizeMax

Fehlerhafte Disk ersetzen

# Fehlerstatus anzeigen
Get-PhysicalDisk | Where-Object HealthStatus -ne "Healthy"

# Fehlerhafte Disk aus Pool entfernen (nach Austausch der Hardware)
$failedDisk = Get-PhysicalDisk | Where-Object HealthStatus -eq "Unhealthy"
Remove-PhysicalDisk -StoragePoolFriendlyName "Pool-01" -PhysicalDisks $failedDisk

# Neue Disk hinzufügen und Resilienz wiederherstellen
Add-PhysicalDisk -StoragePoolFriendlyName "Pool-01" -PhysicalDisks (Get-PhysicalDisk -CanPool $true)

# Repair starten
Get-VirtualDisk -FriendlyName "Daten-Mirror" | Repair-VirtualDisk

ReFS vs. NTFS für Storage Spaces

Merkmal NTFS ReFS
Kompatibilität Universell Windows Server nur
Integrität-Streams Nein Ja (mit Storage Spaces)
Automatische Reparatur Nein Ja
Deduplizierung Ja Ja (Windows Server 2022)
VHDX-Performance Standard Besser (accelerated VHDX)

Empfehlung: ReFS für Produktions-Storage auf Windows Server 2022, NTFS für Kompatibilität mit älteren Clients.

FAQ

Kann Storage Spaces Hardware-RAID-Karten ersetzen?
Für die meisten KMU-Szenarien ja. Enterprise-HBAs bieten mehr Performance, aber Storage Spaces mit NVMe-SSDs ist für die meisten Workloads ausreichend.

Wie sichere ich einen Storage-Spaces-Pool?
Storage Spaces ist kein Backup-Ersatz! Immer mit Veeam, Windows Server Backup oder PBS sichern. Mirror schützt nur vor Hardware-Ausfall, nicht vor Ransomware oder versehentlichem Löschen.

Kann ich den Pool auf einen neuen Server migrieren?
Ja. Physische Disks aus dem Pool ausbauen, in den neuen Server einbauen – Windows erkennt den Pool automatisch (Pool-Metadaten liegen auf den Festplatten selbst).

Fazit

Windows Server 2022 Storage Spaces ist die kostengünstigste Weg zu Software-RAID unter Windows. Für KMU die keine teure Hardware-RAID-Karte kaufen möchten ist es eine solide Produktionslösung – besonders in Kombination mit ReFS für maximale Datenintegrität.

Wir planen und implementieren Storage-Infrastrukturen für KMU-Server in Heidelberg, Mannheim und der Rhein-Neckar-Region. Server-Beratung anfragen.

Artikel teilen

War dieser Artikel hilfreich?

Dein Feedback hilft uns, bessere Inhalte zu erstellen.

Kommentar hinterlassen

Verwandte Artikel