Wo XCP-ng wirklich hinpasst
XCP-ng ist der Open-Source-Fork von Citrix XenServer — für alle, die eine Xen-basierte Plattform ohne Citrix-Lizenzkosten wollen. Wer bereits mit XenServer gearbeitet hat, findet sich sofort zurecht. Für alle anderen: Proxmox VE hat die größere deutschsprachige Community und die einfachere Web-Oberfläche direkt im Hypervisor integriert (XCP-ng braucht Xen Orchestra als separate Management-Komponente).
XCP-ng vs Proxmox vs ESXi
| Feature | XCP-ng | Proxmox | VMware ESXi |
|---|---|---|---|
| Lizenz | Kostenlos | Kostenlos | Kostenpflichtig (mit eingeschränkter Gratis-Variante) |
| Hypervisor | Xen | KVM | ESXi |
| Web-UI | Xen Orchestra (separat) | Eingebaut | vCenter (kostenpflichtig) |
| Live-Migration | Ja | Ja | Nur mit vCenter |
| Container (LXC) | Nein | Ja | Nein |
XCP-ng installieren
Aktuell ist XCP-ng 8.3 LTS die stabile Version mit laufenden Sicherheits-Updates.
- ISO herunterladen: xcp-ng.org
- Bootfähiger USB erstellen (Rufus oder dd)
- Installation: statische IP setzen, Root-Passwort vergeben
ssh [email protected]
xe host-list
xe sr-create name-label="Local Storage" type=lvm device-config:device=/dev/sdb
xe network-list
Xen Orchestra installieren
# Auf separatem Ubuntu/Debian
curl -fsSL https://raw.githubusercontent.com/ronivay/XenOrchestraInstallerUpdater/master/xo-install.sh -o xo-install.sh
chmod +x xo-install.sh
./xo-install.sh
Xen Orchestra läuft inzwischen in Version 6 (großes Architektur-Update) — die Community-Edition aus dem Skript oben ist quelloffen und für Homelab/Kleinbetrieb völlig ausreichend, hat aber keine offizielle Update-Garantie oder Support wie die kostenpflichtige Vates-Edition.
Browser: https://xo-server-ip – Login: [email protected] / admin (unbedingt sofort ändern)
Settings → Servers → Add: Host 192.168.1.10, User root
VM per CLI erstellen
TMPL=$(xe template-list name-label="Ubuntu Focal Fossa 20.04" --minimal)
xe vm-create name-label="web-server-01" template-uuid=$TMPL
VM=$(xe vm-list name-label=web-server-01 --minimal)
SR=$(xe sr-list name-label="Local Storage" --minimal)
VDI=$(xe vdi-create sr-uuid=$SR name-label="disk-web01" type=user virtual-size=80GiB)
xe vbd-create vm-uuid=$VM vdi-uuid=$VDI device=0 bootable=true mode=RW type=Disk
xe vm-start uuid=$VM
Die CLI (xe) ist für Automatisierung/Scripting gedacht — im Alltag ist die Bedienung über Xen Orchestra deutlich schneller, besonders bei Template-Auswahl und Netzwerk-Zuordnung.
Pool und Live-Migration
xe pool-join master-address=192.168.1.10 master-username=root master-password=PASS
xe vm-migrate uuid=<VM_UUID> host=<ZIEL_HOST_UUID> live=true
Ein XCP-ng-Pool braucht wie bei Proxmox geteilten Storage (NFS, iSCSI) für unterbrechungsfreie Live-Migration — ohne geteilten Storage funktioniert Live-Migration zwar auch (Storage-Migration inklusive), dauert aber deutlich länger.
Für wen sich XCP-ng gegenüber Proxmox lohnt
Ehrliche Einschätzung: Für die meisten KMU-Anwendungsfälle ist Proxmox die pragmatischere Wahl — eine Oberfläche statt zwei Komponenten, LXC-Container zusätzlich zu VMs, größere deutschsprachige Community für Troubleshooting. XCP-ng ist dann interessant, wenn bereits XenServer-Erfahrung im Haus ist oder wenn der optionale kommerzielle Vates-Support explizit gewünscht ist.
Fazit
XCP-ng ist eine ernsthafte, produktionstaugliche Alternative zu VMware ESXi — mit Live-Migration, LTS-Support-Zyklen und optionalem Enterprise-Support. Für den Einstieg ohne XenServer-Vorerfahrung bleibt Proxmox VE aber der geradere Weg.
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